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Antrag auf Mutter-Kind-Kur nach § 24 bzw. 41 SGB V

Antrag auf Mutter-Kind-Kur nach § 24 bzw. 41 SGB V

Antrag auf Gewährung einer Rehabilitationskur gem. §§ 24 (Mutter-Kind-Reha), 41 SGB V (Reha für Familie oder Kind)

Vers.-Nr.

Sehr geehrter Herr …,

ich komme zurück auf unser Telefonat vom       und den anliegenden Antrag auf Gewährung einer Mutter-Kind-Kur. Im Folgenden möchte ich den Antrag näher begründen.

Zunächst zum Kurantrag allgemein:

Vor 3 Jahren bin ich Mutter eines Frühgeborenen Kindes. Dieses wurde nach vorzeitigen Wehen in der 30. SSW geboren.---- musste 3 Monate in der Kinderklinik bleiben, bis wir ihn/sie mit nach Hause nehmen durften. Er/sie litt insbesondere unter einem hartnäckigen Bradycardie- und Apnoesyndrom (Herzfrequenzabfälle und Atempausen) und einem Atemnotsyndrom Grad III (höchste Stufe), die auch eine Beatmung erforderlich machte. In den ersten 1 ½ Monaten wusste ich nie genau, wie ich mein Kind am nächsten Tag vorfinden würde.

Allein die Sorge um den gesundheitlichen Zustand des Kindes ist eine enorme psychische Belastung, zumal seitens der Kinderklinik auch keine psychologische Begleitung bereitgestellt wurde. Aber auch die „abgebrochene“ Schwangerschaft, verbunden mit der zähen Suche nach Ursachen und aufkommende Schuldgefühle hinsichtlich der Frühgeburt belasten mich noch heute.

Erst nach 1 Monat durfte ich mein Kind das erste Mal auf den Arm nehmen. Zuvor war aufgrund des instabilen Gesundheitszustandes von ---- nur „Händchenhalten“ durch den Inkubator erlaubt. Zum einen fehlt wohl jeder Mutter der direkte Kontakt zum Kind; zum anderen ist einem ein „Frühchen“ zunächst total fremd. Auch diese Situation ist psychisch belastend.

wurde mit Herz-Atem-Überwachungsmonitor nach Hause entlassen, den wir noch 1 ¼ Jahr in Gebrauch hatten. Damit verbunden ist – zumindest in der ersten Zeit – die Angst, es könnte zu einem Alarm kommen und man reagiert nicht adäquat. Hinzu kommt, dass man als Eltern in der „Monitorzeit“ keinerlei Gelegenheit hat, das Kind einmal Fremdbetreuen zu lassen. Denn das Betreuungspersonal muss für den Notfall in Wiederbelebung von Säuglingen geschult sein. Über derartige Omas oder Babysitter verfügten wir leider nicht, so dass wir quasi zu Hause angebunden waren. Auch diese Zeit trug zu meiner derzeitigen psychischen Überlastung bei.

Frühgeborene sind im „Handling“ oft anstrengender als Reifgeborene Kinder. So auch ----. Bei ihm/ihr äußert sich dies insbesondere im Bereich des Essens. Schon die Stillmahlzeiten zogen sich über ca. 1 Std. hin. Danach musste ich noch die Reste der Milch abpumpen, was noch einmal – incl. Reinigung der Pumpe – ca. ½ Std. Zeit in Anspruch nahm. Das Stillen über insgesamt 1 ¼ Jahre hat mich mit einem Körpergewicht von 51 kg bei einer Größe von 1,62 m überdies auch körperlich sehr angestrengt.

Noch heute verbringe ich mit ---- ca. 4 x 1 Std. am Tag allein nur für die Nahrungsaufnahme, weil er/sie aufgrund einer Wahrnehmungsstörung extrem langsam isst. Der gesamte Tagesablauf gerät damit ins Stocken. Therapietermine pünktlich einzuhalten oder auch pünktlich auf der Arbeit zu erscheinen ist immer wieder Stress.

----ist sehr infektanfällig. Seit Mitte 2004 hat er quasi am laufenden Band irgendwelche Infekte durchlebt. Auf jede Erkältung setzt sich dann eine Bronchitis, bei der ---- dann oft bis zum Erbrechen hustet. Dies bedeutet für mich auf der einen Seite, dass ich in den „Hochzeiten“ oft nachts raus muss, um Hustenanfälle zu therapieren. Auf der anderen Seite ist mein Immunsystem seit ---- Geburt derart strapaziert, dass ich mich bei jedem Infekt anstecke. Das schlaucht auf die Dauer körperlich.

Seit ---- auf der Welt ist, habe ich kaum Gelegenheit, einmal „durchzuatmen“ und etwas für mich zu tun. Mein Mann ist beruflich sehr eingespannt und kann mich daher nicht immer im erforderlichen Maß entlasten. Hinzukommt, dass mein Erziehungsurlaub nun abgelaufen ist und ich wieder in den Beruf einsteigen muss und auch dort entsprechende Leistung bringen muss.

An körperlichen und psychischen Symptomen macht sich insgesamt derzeit bemerkbar:

  • Ich fühle mich überlastet und ausgebrannt, niedergeschlagen.
  • Ich leide unter innerer Unruhe, bin kaum mehr fähig, mal untätig still zu sitzen.
  • Ich habe das Gefühl, nicht mehr richtig durchatmen zu können („Felsbrocken auf der Brust“)
  • Die Frühgeburtssituation habe ich nicht einmal annähernd verarbeitet, einfach weil mir auch die Zeit dazu fehlt.
  • Zeitweise zeigen sich Neurodermitis-Symptome.
  • Verspannungen / Rückenschmerzen (auch bedingt durch das Tragen eines mittlerweile       kg schweren Kindes).
  • Ich bin sehr infektanfällig geworden.
  • Depressionen
  • Schlafstörungen
  • Konzentrationsstörungen

Die o. g. Beschwerdebilder bestehen schon seit längerer Zeit, ohne dass ich ständig Ärzte in Anspruch nehme. Dies liegt einfach daran, dass mir in den letzten 3 Jahren für Arztbesuche in eigener Sache einfach die Zeit fehlte. Ein Frühgeborenes steht hinsichtlich seines Tagesablaufes und seiner Therapien immer im Vordergrund. Nun aber bin ich an einem Punkt angelangt, an dem ich glaube, dass eine Kurmaßnahme einfach erforderlich ist.

Weiter möchte ich begründen, warum ich gern eine spezielle „Frühchen-Reha“, nach Möglichkeit in der Klinik       , absolvieren möchte:

Die Klinik       , führt derartige Schwerpunkt-Kuren bereits seit über 10 Jahren durch. Dadurch verfügen das dort tätige ärztliche und therapeutische Personal sowie auch die Diätassistenten und die Kinderbetreuung über die notwendigen Fachkenntnisse im Umgang mit frühgeborenen Kindern und deren Familien.

Dies ist überaus wichtig, damit man mit den Besonderheiten im Verhalten eines Frühgeborenen nicht – wie im Alltag so oft – „aneckt“ und sich erklären und rechtfertigen muss. Eine Unterstützung durch geschultes Personal ist auch allein dafür notwendig, damit ich meine Therapien ohne Stress wahrnehmen kann.

Eine reine „Frühchen-Reha“ bietet weiter den Vorteil des Austausches mit Gleichgesinnten. Darüber hinaus muss ich dann nicht immer erklären, warum mein Kind anders ist als andere gleichaltrige Kinder und das es keineswegs daran liegt, das ---- schlecht erzogen ist. So etwas würde nämlich in einer „normalen“ Mutter-Kind-Kur passieren; es begegnet mir täglich im Alltagsleben und zieht mich psychisch immer wieder runter.

Die Kinder werden in der o. g. Schwerpunktmaßnahme entsprechend ihren Bedürfnissen – z. T. in Kleinstgruppen – betreut. Dies ist in anderen Mutter-Kind-Kuren ebenfalls nicht möglich. Ehemalige Frühgeborene sind oft überängstlich und haben ein erhöhtes Sicherheitsbedürfnis – so auch ----. Er braucht eine einfühlsame Kinderbetreuung, damit mir die erforderlichen Therapien überhaupt möglich sind.

Väter von Frühgeborenen sind ebenso von Traumata durch die Frühgeburtssituation betroffen wie Mütter. Dennoch haben Väter öfter als Mütter Probleme, sich darüber mit anderen Menschen auszutauschen oder therapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Darüber hinaus unterliegen sie der Doppelbelastung von Beruf und Familie. Diese Doppelbelastung war gerade in der Klinik-Phase, in der es auch lebensbedrohliche Situationen für ---- gab, nicht zu unterschätzen. Der Vater von ---- war während der Klinik-Phase       Tage arbeitsunfähig wegen Überlastungssymptomen erkrankt.

Die Belastungen für die älteren Geschwister von ---- waren immens. Während des Klinikauftenthaltes von ---- haben sie ihren Bruder / Schwester nicht besuchen dürfen. Sie kannten es nur von Fotos. Die Eltern waren entweder nicht zu Hause (sondern bei dem Frühgeborenen in der Klinik) oder aber sie waren in einer emotionalen Belastungssituation, die für die Geschwisterkinder schwer oder überhaupt nicht einzuordnen war. Bei unseren großen Geschwisterkindern ----- entwickelten sich im Laufe der Klinik-Zeit Verhaltensauffälligkeiten:

Die beantragte Reha-Maßnahme soll uns helfen, als Familie wieder näher zusammen zu wachsen und die o. g. Belastungssymptome zu mildern.

Ich bitte Sie daher, dem Antrag statt zu geben.

Mit freundlichen Grüßen